Donnerstag, 11. Juni 2009

Der Staat und die digitalen Medien

Gesetzesentwürfe wie Datenvorratspeicherung, Bundestrojaner, Internetzensur und das Verbot von "Killerspielen" zeigen, dass in der deutschen Politik mittlerweile die digitalen Medien durchaus wahrgenommen und dafür auch Gesetze erlassen werden - auch wenn es so aussieht, als würden Politiker Sündenböcke suchen bzw. versuchen, billige Stimmen zu erhaschen. Im folgenden Text will ich erklären, was diese Gesetze für die deutschen Bundesbürger bedeuten würden und wieso ich glaube, dass diese Gesetze wirklich erlassen werden.

Datenvorratspeicherung aka Stasi 2.0

Um das Verhalten potentieller Terroristen festhalten zu können ist es sinnvoll deren Kommunikation in jeder technischen Form mitzuspeichern. Jedoch sieht der Staat anscheinend in jeden Menschen einen Terroristen, denn von jeden Bürger werden diese Daten mitgespeichert. Ein nettes Video zur Verdeutlichung gibt es auf http://www.dubistterrorist.de.


Der Name Stasi 2.0 leitet sich von der alten Stasi der ehemaligen DDR ab. Diese überwachte auch die Telefone ihrer Bürger. Aus Erzählungen habe ich erfahren, dass man jedoch durch ein klicken in der Leitung bemerken konnte, ob man abgehört wird - die Stasi hatte also Schwachstellen. Durch den Zusatz 2.0, der aus der Informatik stammt, meint man eine neue verbesserte Version der Stasi.  Diese funktioniert effizienter und unauffälliger als die Erste, da durch die Digitalisierung Daten automatisch schneller ausgewertet werden und ein Abhören einer digitalen Verbindung das original nicht verändert - es ist also kein Klicken oder Rauschen mehr in der Leitung. Erstaunlich dabei ist, dass der Westdeutsche früher froh war, keine Stasi zu haben, nun aber eine vielfache Verbesserung freiwillig zulässt, weil ein Politiker behauptet, dass es gegen Terrorismus hilft. Noch eine Bemerkung: Den Ostdeutschen wurde die Stasi aufgezwungen.


Um Übrigen kann die Datenvorratspeicherung durch Anonymisierungsdienste und Verschluesselung problemlos von Terroristen umgangen werden, wodurch nur Daten des Durchschnittsbürgers ausgewertet werden können.

Internetzensur

Im Moment ist geplant, das Internet wegen Kinderpornographie zu zensieren, was sich auf Anhieb eigentlich als gute Lösung anhört. Jedoch weiß jeder, der Ahnung von Netzwerken hat, wie man diese Sperre umgehen kann und die anderen können sich im Internet ein Tutorial suchen. Der Zeitaufwand ist für einen Informatiker ca. 1-2 Minuten und für den Rest 5-15 Minuten. Die Tatsache, dass die Politiker das mittlerweile wissen, jedoch trotzdem dieses Gesetz einführen wollen zeigt, dass sie Kinderpornographie nutzen, um Wählerstimmen zu bekommen und das eigentliche Interesse zur Bekämpfung nicht wirklich besteht. Eine gute Lösung zu finden würde länger dauern und weniger Wähler locken.

Das Verbot von "Killerspielen"

Der Satz "ich spiele selbst viele Egoshooter und bin noch nicht amok gelaufen" findet sich ziemlich oft in Gamerforen. Das beruht darauf, dass die letzten jugendlichen Amokläufer das Spiel Counter Strike besessen haben. Counter Strike wird vor allem in den TV-Medien - deren Zielgruppe eher die ältere Generation ist, jedoch trotzdem von allen Geld haben wollen - als das Killerspiel überhaupt dargestellt. Tatsache ist, dass fast jeder Jugendliche Counter Strike installiert hat - und somit auch die Amokläufer. Diese Tatsache wird jedoch in den Medien umgedreht, denn wohin soll das führen, wenn fast alle Jugendliche dieses "Killerspiel" besitzen.

Dass psychische Probleme die eigentliche Ursache der Amokläufe sind ist den Politikern klar geworden. Als Konsequenz hat nun jede Hauptschule einen Sozialpädagogen, der mit der Anzahl der Schüler jedoch überfordert ist. Diese Fachkräfte jedoch zu verstärken, ist vor der Wahl jedoch nicht Spektakulär genug, um Wählerstimmen zu bekommen. Viel effektiver ist ein Sündenbock, auf dem man die Probleme schiebt (funktionierte in Deutschland früher auch schon). An der Tatsache, dass Schüler trotzdem frustriert sind und keine Fachkräfte ihnen helfen können, ändert das jedoch nichts, was wirkt, als ob Politiker die Amokläufe für Wählerstimmen nutzen, jedoch nur geringes Interesse an der Beseitigung des Problems haben.